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Über die unterschiedlichen Ikonenschulen

Pantokrator Sinai 6. Jhd.Der Begriff Malschule wurde - vermutlich von Kunsthistorikern - zur besseren Katalogisierung und Einordnung der voneinander abweichenden Malstile in der Ikonenmalerei erschaffen.

Eine Schule fasst jene Künstler und Kunstmaler zusammen, die sich aufgrund von maltechnischen Übereinstimmungen angleichen. Ebenso können mit dem Begriff Schule Künstler zusammengefasst werden, die in einer geografischen Region gewisse Gemeinsamkeiten ausgeprägt haben.

In jedem Fall aber kann man davon ausgehen, dass wenn ein Byzantinisches Herrschergeschlecht wechselte, mit ihm auch die Hofmaler wechselten, denn die neuen Herrscher wollten auch in der von ihnen geförderten Kunst unverwechselbar sein!

Oft werden die Ikonenmalschulen nach der Region benannt, wo der betreffende Malstil besonders auffällig wurde. Manchmal hängt dies auch mit einer führenden Malerpersönlichkeit zusammen, dessen Malstil vom herrschenden Kaiser besonders gefördert wurde. Dessen ungeachtet sprach die orthodoxe Kirche mittels ihrer Bischöfe Empfehlungen aus, wie ein Maler ein bestimmtes Thema darzustellen hatte.

Gute Ikonenmaler, oft waren es gleichzeitig Freskenmaler, hatten viele Aufträge und benötigten weitere Helfer, welche sie nach ihrem eigenen Vorbild prägten, bzw. ausbildeten. Ihre Schüler (man könnte sie auch Lehrlinge nennen) malten dann im Stil ihrer Meister. Einige von ihnen waren wiederum sehr gut und prägten später ihren eigenen, vom Meister unabhängigen Malstil aus.

Neben den beiden weiter unten genannten großen, voneinander gut unterscheidbaren Gruppierungen der russischen und griechischen Malstile möchte ich die kleineren Balkan-Staaten nicht unerwähnt lassen:

  • Die Bulgarische Schule (16. bis 17. Jahrhundert)
  • Die Serbische Schule (Blütezeit im 17. und 18. Jahrhundert)
  • Die Rumänische Schule (17. Jahrhundert)
  • Die Polnische Schulen (15. und 16. Jahrhundert / 15. bis 17. Jahrhundert / 17. bis 19. Jahrhundert)

Jede dieser Schulen unterteilt sich in weitere Untergruppen und Schulen.
Die so genannte Athos-Schule (vom Berg Athos: bis heute eigenständige Mönchsrepublik in Griechenland) beinhaltet jedoch viele Malstile der oben genannten, da es dort immer schon Klöster aus den Balkanländern, Russland und Griechenland gab. Eine eigene, gemeinschaftliche Ausprägung im Malstil fand aber nicht statt, und so ist der Begriff Athos-Schule irreführend, denn es gibt keine Athos-Schule, sondern nur viele Ikonenmaler auf dem Berg Athos.

Zu den russischen Schulen gehören (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):

  • Die Schule von Kiev (11. und 2. Jahrhundert)
  • Die Vladimir Suzdal Schule (Mitte 13. bis 15. Jahrhundert)
  • Die Schule von Novgorod (Ende 11. bis Beginn 16. Jahrhundert)
  • Die Pskov Schule (12. bis 14. Jahrhundert)
  • Die Jaroslav Schule (im 13. erste Blüte, zweite Phase 16./17. Jahrhundert)
  • Die Moskauer Schule (14. bis 16. Jahrhundert)
  • Die Stroganov Schule (um 1580 bis 1650)
  • Die Palech Schule (ab Ende 17. Jahrhundert)
  • Eine Zaren-Schule (16. bis 18. Jahrhundert)
  • Die neue Moskauer Schule (18. bis 19. Jahrhundert)

Meine besondere Aufmerksamkeit gilt jedoch den griechischen Schulen.
Dazu gehören:

  • Ikonen aus Konstantinopel (ab 6. Jahrhundert bis 1453)
  • Ikonen des Katerinenklosters im Sinai (ab 6. Jahrhundert)
  • Ikonen aus Thessaloniki
  • Ikonen von der Halbinsel Peloponnes
  • Die Makedonische Schule (13. und 14. Jahrhundert / 17. Jahrhundert)
    Ein berühmter Maler hier: Panselionos
  • Die oben schon mit Einschränkungen erwähnte Athos Schule
  • Die Italo-Griechische Schule
  • (Kreuzfahrer-Ikonen, die 1204 Konstantinopel eroberten)
  • Die Italo-Byzantinische Schule (Beginn 14. Jahrhundert) und schließlich
  • Die Kretische Schule (15. bis 17. Jahrhundert), welche sich wieder in unterschiedliche Ausprägungen unterteilt.
  • Die 7-Insel-Schule “επτανισιακή σχολή” schließt sich an die Kretische Schule an und reicht vom 17. ins 18. Jahrhundert.

Alle dann folgenden Schulen stehen unter starken, westlichen Kultureinflüssen und entfernten sich von den unübertroffenen eigenen  Ausdrucksformen der östlich orthodoxen, byzantinischen Wurzeln.

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