Ikonenmalerei Kirsten Voß


Die Symbolik der Ikonen

Ikonen werden geschrieben, und müssen also eine eigene Sprache haben. Sprachen vermitteln Inhalte, die wir mit unseren intellektuellen Fähigkeiten erfassen und deuten können. Die Sprache der Ikonen können wir jedoch auch mit unserem Herzen entschlüsseln. Dabei entdecken wir einen Teil der Mystik, die von einer Ikone ausgeht. Mystik (oder Esoterik) bedeutet verborgenes Wissen, das sich zwar verbal vermitteln läßt, doch erst im Herzen eines jeden Einzelnen zum erblühen kommt, wenn diese Worte in ihm auf fruchtbaren, will sagen offenen Boden gefallen sind.

Das, was dann IST, ist ein unaussprechliches Gefühl - mit Worten läßt es sich nur mangelhaft beschreiben, doch ist es deutlich spürbar.
In mir hat die Betrachtung von Ikonen, die Stille und Ruhe, die sich dabei in mir einstellt, die tröstende Gewissheit erzeugt, dass ich mit Allem in Verbindung stehe. Diese Verbundenheit trägt mich durch schwierige Zeiten genauso, wie es mich die schönen Momente im Leben viel intensiver erleben läßt. Immer da ist seither ein tiefes Gefühl der Dankbarkeit meines Da-Sein-Dürfens gleich einem tiefen, satten Ton, der mein Leben durchwirkt, mich trägt, stützt und begleitet.

Doch wie sprechen sie denn nun, die Ikonen?

Gott ist in allem. Wenn wir genau hinhören, dann können wir das beim Anschauen einer Ikonen wahrnehmen.

Betrachten wir zunächst nur die Tafel, welche die Ikonenmalerei trägt. Sie ist aus Holz gefertigt, ein natürlicher Rohstoff und Symbol für die Pflanzenwelt. Ein Baum braucht lange Zeit um zu wachsen, schrittweise legen sich die Jahresringe aneinander und bezeugen seine Ausdauer. Ein Baum strebt immer zum Licht und wächst daher so gradlinig wie möglich. Nur gerade gewachsenes Holz verwirft sich nicht, nachdem der Baum gefällt wurde. Und nur gerade gewachsenes Holz gibt die Grundlage für die Tafel der Ikone. Lassen wir das in unseren Herzen einmal aufgehen!
Der Untergrund der eigentlichen Ikonenmalerei besteht aus einem Putz aus Kreide, der auch Kalk beigemischt werden kann. Das sind mineralische Stoffe, die uns die Welt der Mineralien präsentieren. Ebenso sind ein Teil der Farbpigmente mineralischem Ursprungs. Keine zwei Ockerfarben gleichen sich, so sie nicht aus der selben Partie (gemeint ist der Herkunftsort) stammen.
Damit der Untergrund auf der Tafel haften kann, wird auf die Tafel zuvor ein Stück gewebtes Leinen aufgeleimt. Dazu wird noch heute ein Leim benutzt, der aus Knochen oder Fischmehl hergestellt wird. Diese natürlichen Rohstoffe symbolisieren die Tierwelt und lassen auch diese Anteil an der Erschaffung einer Ikone nehmen. Das Gleiche gilt für das Bindemittel der Farbpigmente, welche mit Eigelb angerührt und verarbeitet werden. Das Ei steht auch für das Leben und seine Erneuerung.
Der Hintergrund byzantinischer Ikonen ist sehr oft aus Gold gefertigt. Gold steht für das Licht Gottes und verweist auf die Möglichkeit zur Transformation unserer Seelen. Gold ist ein sehr seltenes Metall und eines der Edelsten. Es symbolisiert die Welt der Metalle, die uns ebenfalls auf unserem Erlösungsweg zur Seite stehen.
Darüber hinaus werden Pflanzenstoffe und Steine nicht nur in alten Kulturen als Heilkräfte benutzt. Auch spezielle Schwingungen von Kristallen und Metallen finden in alternativen Heilberufen ihre Anwendung. Ikonen werden mit zerriebenen Mineralien (oder Pflanzenfasern) in Pigmentform gemalt. Es ließe sich darum sogar vermuten, dass sehr empfängliche, sensible Menschen die Heilkraft von Ikonen durchaus spüren können. Immerhin gibt es einige Überlieferungen von “Wunder-Ikonen”, worunter auch Heilungen zu finden sind.
Auf diese Weise hat die uns umgebende Natur ihren Anteil an den Ikonen und steht uns zur Seite, damit wir weiter in die Tiefe unserer Herzen gelangen können und das Wort Gottes, seine Weisheit und Liebe spüren lernen dürfen. Ist das nicht eine schöne Einladung, Anteil an dem alles durchwirkenden Heiligen Geist nehmen zu dürfen?

So erging es jedenfalls mir, und langsam öffnete ich mich den religiösen Inhalten, von denen uns die Ikonenmalerei erzählen möchte. Ganz besonders gefallen mir dabei die Abbildungen der Heiligen und Asketen, Märtyrer und Evangelisten. Sie alle stehen für einen aufrichtigen Geist, der Ideale hatte und diese nicht verleugnete! Gradlinig im Geiste bewegten sich diese unsere Vorfahren auf ihrem Lebensweg, der oft ein schwieriger war, weil sie damals verfolgt wurden, als das Christentum noch nicht so selbstverständlich und angesehen war wie heute. Diese Heiligen und Märtyrer hatten etwas in ihrem Herzen vernommen und trotzten allen Versuchungen, Druck und Repressalien, sich der damals vorherrschenden Meinung, Gesinnung und den Machtverhältnissen anzupassen. Dafür verdienen sie unseren Respekt und Bewunderung und darum male ich sie so gern.
Daher glaube ich, dass Ikonen und die darauf abgebildeten Personen ob ihrer edlen Eigenschaften, die doch in einem jeden von uns vorhanden sind, auch heute noch eine große Ausstrahlung besitzen. Leider “opfern” viele von uns ihre Ideale heute den vermeintlich sie dazu zwingenden Umständen wie keine Zeit, keine Möglichkeit oder kein Geld und passen sich lieber der Norm an. Ikonen können helfen, das eigene Ideal zu entdecken, oder zu dem eigenen Ideal wieder zurückzufinden. Die christliche Botschaft der Aufrichtigkeit wird durch Ikonen anschaulich vermittelt.

Monogramme und Akronyme

ΜΗΡ - ΘΥ Mutter Gottes

ΙC - MC   Jesus Christus

ΙΧΘΥΣ   Ιυσούς Χρυστός Θεού Υιός Σωτηρ zu deutsch: Jesus Christus, Gottes Sohn und Erlöser.

Ο ΩΝ  Das Seiende (das war, das ist, das sein wird). Steht im Nimbus Christi.

Taube - Symbol des Heiligen GeistesDie Taube, meist in einem Strahl lokalisiert, bedeutet die Anwesenheit und Segnung Gottes bzw. des Heiligen Geistes.Palmzweig02

Der Palmzweig als Zeichen der Zugehörigkeit zum christlichen Glauben. Ebenso als Zeichen des Märtyriums.

 

 

Hand aus einer symbolisierten WolkeStets in der oberen Bildecke und allgemein als die Hand Christi interpretiert (alternativ die Hand Gottes), gibt sie ihren Segen und Kraft für die auf der Ikone dargestellte Person.


Einzelne Symbole und ihre Bedeutungen

Kreuz1Kreuz - halten Märtyrer in ihren Händen und weisen sich somit als solche aus.

 

Handstellung02Hand ICXCSegnende Hand - die Buchstaben IC XC. Sie stehen für Jesus Christus siehe auch hier..
Eine andere Stellung ist mit Mittel.- und Ringfinger zum Daumen.

AnbetungHandstellung der Anbetung Christi aus der Deeisis.

Handgesten...

Hand bedecktbedeckte Hände als Zeichen der Ehrfurcht gegenüber der Heiligkeit Christi oder dem Heiligen Evangelium.

 

LilieDie Lilie steht für Unschuld ebenso wie sie das Kreuz auf Ikonen ersetzt, wo die Menschliche Existenz Christi noch nicht stattgefunden hatte.

SternByzantinischer Stern auf Kopftuch, links und rechts des Schultertuchs der Mutter Gottes. Steht für die unbefleckte Empfängnis, unbefleckte Schwangerschaft und unbefleckte Geburt.

SchriftrolleSchriftrollen beziehen sich auf das Alte Testament.

Bibel Das Evangelium bezieht sich auf das Neue Testament.

 

Bibel offengeöffnete Bibeln oder Schriftrollen verweisen auf Textstellen oder Taten der Heiligen.

 

SchmuckSchmuck und Verzierungen auf der Kleidung tragen edle Personen, Könige und Königinnen.

Bart langSehr lange Bärte tragen nur die Eremiten, die sehr dünn, nackt und nur mit Blättern bekleidet sind als Zeichen ihrer Bescheidenheit und Bedürfnislosigkeit.

 

DrachenDrachen symbolisieren das Böse, den Teufel.

rotesTuch auf IkonenDas rote Tuch ist über Dächer und Kuppeln gelegt als Zeichen dafür, dass alle Welt an dem dargestellten Thema Anteil nimmt. z.B. Maria Verkündigung.

rote SchuheDie Roten Schuhe Mariens symbosieren ihre königliche, im Sinne göttliche Existenz.

rote KleidungDie bedeckt rote Kleidung Mariens (Obergewand) und Christi (Untergewand) verweisen auf ihre königlich-göttlichen Seelen. Die Abtönung (Laka) des Rot zu rotbraun bzw. rotviolett kennzeichnet die erlangte Selbstlosigkeit.

blaue KleidungDie blaue Kleidung Mariens (Untergewand) und Christi (Obergewand) steht für ihre irdische Existenz.

bittere Kräuter
bittere Kräuter: Hier der Rettich. Das Passah-Lamm solle mit ungesäuertem Brot und bitteren Kräutern gegessen werden (2.Moses 12,8) als Hinweis auf die Leiden Christi.

 

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