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Heilige Dreifaltigkeit - Rublev, Anfang 15. Jhd.Figur rechts

Zu Beginn des 15. Jhd. erschuf der russische Malermeister Rublev eines seiner Meisterwerke, die Heilige Triada, auch Dreifaltigkeit genannt. Es ist eine auf das Wesentlichste beschränkte Komposition vom Gastmahl Abraham, welches ebenfalls als eine symbolhafte Erzählung der Dreifaltigkeit gilt.

erste transparente Pinselstriche, Engel linksTypisch für Rublev sind die leicht überlangen Figuren und ihre ätherisch wirkende Erscheinung, welche er für die Gewänder der Engel mittels einer zu unters liegenden, transparenten Farbschicht erreichte. Nur die jeweils darauf gesetzten drei Lichter sind von deckender Farbkraft und geben dem Faltenwurf Kontur. Die transparente Wildheit der unteren Farbschichten steht hier also im interessanten Kontrast zur exakten Linienführung der Gewandfalten.

Engel rechts, erste transparente PinselstricheDas Urbild von Rublev wurde im Laufe der Jahrhunderte mehrmals restauriert, wobei man feststellte, dass die Frisuren der Köpfe ursprünglich nicht so stark nach hinten gelängt waren. In meiner Abschrift habe ich das berücksichtigt, ohne dem heutigen Empfinden vom “Original” abzusprechen. Es sind oft nur Nuancen, welche eine gute Abschrift von einer eigenwilligen unterscheiden - vom handwerklichem Können einmal abgesehen. Dreifaltigkeit Köpfe

Die Gesichter, auf dem Urbild stark verdunkelt, habe ich in strahlende Farben wiedergegeben im festen Glauben daran, dass sich auch ein russischer Malermeister niemals dazu hingerissen hätte, das Wesentlichste, nämlich das Gesicht, nicht in seiner größtmöglichen Strahlkraft auszuarbeiten. Heute empfinden wir die dunklen, nur vage auszumachenden Gesichter vielleicht als angenehm, jedoch entspricht das mit hoher Wahrscheinlichkeit auch nicht russischen Originalen.

Heilige Dreifaltigkeit Rublev, Abschrift von Kirsten VoßDer Grund für unser an russische gewöhnte Auge scheint mir eher der, dass die äußerst fein gearbeiteten Lichter der Haut aufgrund von einer der byzantinischen Malweise abgewandelten Rezeptur der Eitempera liegt:

In Russland wurde, anders als die feine Stricheltechnik der Griechen u.a., wie oben erwähnt sehr transparent gearbeitet, welche allerdings nur durch eine Hinzufügung von reichlich Wasser zum Ei im Sinne von Tempera erfolgen konnte.

Dieser Art hergestellte Malmittel erzeugen zwar hohe Transparenzen, sind aber weniger haltbar - besonders dann, wenn eine Restauration erfolgte, infolge dessen der Firnis abgehoben wurde. Daher verfielen die feinsten, obersten Farbschichten bedauernswerter Weise oft dem Abrieb der Wattestäbchen und die Gesichter verloren daraufhin ihre Lichter.

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