Ikonenmalerei Kirsten Voß

          Beispiel modern...
Christus, moderne Ikone
Moderne Ikone, Druck auf Papier. Unechtes Gold mit Krakele-Effektlack. Die Bezeichnung “Ο Σωοδότης” stammt vom “Ο Σωτήρ” (Der Retter) oder auch dem “Παντοκράτωρ” (Der Allherrscher) ab, der meist mit geschlossener Bibel dargestellt wurde. Der Bart ist stereotyp und viel zu dominant, das Obergewand grau, anstelle von blau. Stark impressionistischer Faltenwurf  und die Figur ist nach unten verlängert dargestellt. Und testen Sie sich mal: Wo schauen Sie zuerst hin? Der Blick des Betrachters sollte zuerst auf das Gesicht des Heiligen gelenkt werden.

           ... und alt...
Hier ein Original aus dem 14. Jh. von Theophanes, dem Griechen, Pantokrator (Der Allherrscher)
Theofan der Grieche
Eitempera auf eingelassener Holztafel. Klare Farbgestaltung der Kleidung mit drei Aufhellungen. Der Blick des Betrachters fällt auf das Wesentliche: das Antlitz Christi. Haare und Bart sind dezent gemalt. Die Stellung der segnenden Hand ist locker und souverän. Die mit Edelsteinen verzierte Bibel, ein wesentliches Element dieses Ikonentyps, ist verschlossen und tritt mit seiner Leuchtkraft hervor.  Die Figur ist nur bis zum Bauchnabel abgebildet.

        ... und nochmal alt.
Und noch ein Original, Spätbyzantinische Zeit, Pantokrator (Der Allherrscher), 15. Jh.
Christus Pantokrator, Beispiel einer alten Ikone
Rotbraunes Untergewand mit purpurner Lasur, blauer Umhang der sich durch seine Lichtgebung nicht in den Vordergrund drängt, strenger, unauffälliger Faltenwurf mit drei Aufhellungen. Hier steht (wie bei der vorherigen Ikone) das Gesicht und sein Ausdruck im Vordergrund, nicht der Bart, die Haartracht oder Bekleidung. Die mit Edelsteinen und Perlen reich besetzte Bibel geschlossen. Besonderes Kennzeichen des westlichen, venezianischen Einflusses ist die Goldmalerei am Halsausschnitt und Ärmel der Tunika sowie der mit floralen Mustern geprägte Nimbus. Eine Variante stellt die segnende linke Hand dar, denn sie ist in der Haltung der Altgläubigen aus Russland gemalt.

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Welcher Heiliger wird heute verehrt?
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Fragen und Antworten zum Thema Ikonenmalerei

Warum können Ikonen gleichen Formats unterschiedliche Preise haben? ...lesen sie bitte hier weiter

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Ist das Gold echt oder aufgepinselt?
Es handelt sich um echtes Blattgold, 233/4 Karat. Die einzelnen Goldblätter werden mittels einer Netze und eines Anschießer-Pinsels auf die Bolosgrundierung aufgelegt und anschließend mit einem Achatstein poliert, bis alles glänzt.

Was bedeuten diese Kreise um die Köpfe der Menschen?
Das sind die Heiligenscheine. Sie bezeugen, dass die dargestellte Person im Licht Gottes steht.

Warum ist auf Ikonen soviel Gold?
Gold war damals schon das edelste und kostbarste Material. Gold symbolisiert die Anwesenheit Gottes. Man könnte auch sagen, das Gold ist das alles durchdringende, transzendente Licht.

Warum gucken die Heiligen oft so streng?
Das tun sie gar nicht. Es entspricht nur nicht unserer Sehgewohnheit, die ein betont freundliches Gesicht erwartet. Die östliche Malerei möchte bei uns keine flüchtigen Emotionen erwecken, sondern sie zeigt die Vergeistigung der Heiligen - die der materiellen Welt bereits entrückt sind.

Die Proportionen stimmen ja gar nicht!
Doch, sie tun es nur auf andere Weise: Das Wichtigste wird am größten dargestellt (Bedeutungsperspektive). Die Proportionen variieren auch unter den Jahrhunderten und in Abhängigkeit zum Herkunftsland der Ikone. So haben die Heiligen auf koptischen Ikonen große, eingedellte Köpfe und sehr kleine Körper.

Heißt es nun „Ikonen malen“ oder „Ikonen schreiben“?
Beides ist richtig. Griechisch: Ikonografos. Grafos - auf deutsch: Grafik. Mit Grafik bezeichnen wir sowohl die Schriftsprache als auch die Bildsprache.

Müssen Ikonen immer von Vorbildern abgemalt werden?
Nach meiner und der traditionellen Auffassung: Ja. Ist das nicht langweilig und blöd? Nein, denn es ist ein großes inneres Erlebnis, die Linien der alten Ikonen so exakt wie möglich nachzuspüren und in frische Farbe zu bringen.

Woher bekommen Sie ihre Vorlagen?
Ich verfüge über eine große Anzahl Bücher über Ikonen, Ausstellungskatalogen von Museen und privaten Sammlungen. Und natürlich studiere ich die Ikonen auch vor Ort.

Ikonen wirken doch etwas zweidimensional?
Ja, denn das ist ein Stilmittel alter Ikonen. Durch die Weglassung der dritten Dimension (Tiefe) wird der Betrachter darauf hingewiesen: Das Dargestellte ist nicht von dieser Welt, sondern zeigt die Transzendenz, die Vergeistigung im Glauben.

Was bedeuten Schriftzeichen auf der Ikone?
Auf jeder Ikone soll der Name des/der Dargestellten aufgeschrieben sein; erst dann ist es eine Ikone! Manchmal ist zusätzlich ein Titel angegeben, z.B. Pantokrator = Allherrscher (für Christus).
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Darf der Maler sein Werk unterschreiben?
Aber ja! Das taten schon die Maler aus Byzanz und halfen damit heutigen Historikern, die Werke besser einzuordnen. Die „Unterschrift“ erfolgt in griechischen Buchstaben. Vor dem eigenen Namen setzt der Maler: ΔΙΑΧΕΙΡΟC (gesprochen: Dia Cheiros), das heißt: „durch die Hand von…“. Damit wird ausgedrückt, dass er seine Hand im Gebet zu Gott hat führen lassen.

Wozu braucht man eine Ikone?
Ikonen zeigen neben Christus und Maria Heilige, Propheten, Kirchenlehrer, Engel und Asketen. Durch ihre optische Anwesenheit fühle ich mich mit ihnen verbunden und nah. Die Worte aus der Bibel erhalten farbige Lebendigkeit.

Darf man überhaupt Ikonen malen?
(Es heißt doch: „Du sollst Dir kein Bild von mir machen…“)
Ja, dies sprach Gott im alten Testament zu den Hebräern. Mit dem Neuen Testament hat Gott seinen Sohn Jesus Christus als sein Abbild Fleisch werden lassen. In gewisser Weise ist also Christus selbst die erste Ikone gewesen.

Muss meine Ikone vom Priester geweiht werden?
Ein klares Nein. Ikonen sind keine heiligen Objekte an sich, sie geben uns eine Hilfestellung zum inneren Gebet und erinnern uns an die dargestellten Personen. Sie stellen eine Art Brücke zur tranzendentalen Welt dar und werden verehrt, aber nicht verherrlicht. Bei russischen Ikonen wird oft eine Ikonenweihe vollzogen - das liegt  im Geschmack der Gläubigen und regionalen Unterschieden. Griechische Ikonen sind Kraft ihres aufgeschriebenen Namens (Der Heilige ..., oder IC XC, oder ...) als Ikone identifiziert und anerkannt. Einige griechisch orthodoxe Gläubige bitten jedoch ihren Pfarrer, die Ikone 40 Tage im Altarraum aufstellen zu dürfen, damit sie die Heiligkeit dieses Raumes aufnehmen kann.
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Muss man fasten, während man eine Ikone malt?
Ikonenmaler würden verhungern, wenn sie dies täten! Allerdings kann man Ikonenmalen als eine innere Einkehr zu sich selbst verstehen, und dann kann es durchaus gut tun, sich bewußter zu verhalten, als man es im übrigen Alltags-Zeitraum macht.

Kann man für den Kreidegrund anstelle von dem teuren Gesso auch billigen Gips verwenden, ist doch das gleiche Mineral!?
Nein. Gesso besteht zwar hauptsächlich aus Gips und etwas Kreide, ist aber chemisch verschieden von gewöhnlichen Kreiden und Gipsen (ihm wurden aber zwei Wasserstoffatome entzogen), daher ist die Elastizität vom Gesso wesentlich höher. Gibt man zum Gips Wasser hinzu, härtet es ja aus wie Zement. Beim Gesso ist das nicht so. Würde ich normalen Gipsgrund auf die Holztafel auftragen, würde er beizeiten reißen, da Holz arbeitet.

Ich möchte eine ganz spezielle Ikone verschenken, weiß aber nicht welche?

 


Oft werden die Ikonen nach dem Namen des Beschenkten ausgesucht. Es gibt für fast jeden griechischen Namen einen passenden Heiligen, der einmal im Jahr an einem ganz bestimmten Tag gefeiert wird. Katholische Namen haben ebenso oft ihren Namensgeber von einem oder einer Heiligen. (siehe Kasten rechts)
Ebenso interessant ist es, den oder die Heilige auszuwählen, deren Namenstag am Tage des Geburtstages/Hochzeitstages ... des zu Beschenkenden zu liegen kommt.

Was unterscheidet eine alte Ikone von einer neuen?
Sammler von Ikonen unterscheiden alte von neuen Ikonen. Das entscheidende Kriterium ist dafür die Jahreszahl. Je älter je lieber, und so sind byzantinische Ikonen natürlich die wertvollsten, weil ältesten Unikate. Auch die Nachbyzantinischen Ikonen sind besonders wertvoll, denn sie bleiben der ursprünglichen Maltradition treu. Unter dem fruchtbaren Einfluss der westlichen Malerei entwickelten sich in dieser Zeit technische Feinheiten in der Maltechnik, die Kompositionen und Symbole wurden aber auch in der nachbyzantinischen Zeit kaum verändert. Erst im 18. Jh. bilden sich deutlich andere Malstile und Maltechniken aus und auch die Art und Weise der Darstellung weicht stark von seinem Urbild aus der Byzantinischen Zeit ab.

Was bedeutet “auf alt gemachte” Ikonen?
Ikonen werden gern künstlich nachgealtert, um sie besser verkaufen zu können, weil man darauf spekuliert, dass sich “alte” Ikonen besser (und auch teurer) verkaufen lassen als neue. Solange dies überschaubar bleibt und der Kunde ausdrücklich darauf hingewiesen wird, dass es sich um künstlich angelegte Alterspuren handelt, ist dagegen formal nichts einzuwenden. Besonders schlimm finde ich allerdings, wenn ein billiger Offsetdruck (in Tausenderauflage) auf modernen Holzplatten (Spanplatten u.ä.) aufgeklebt, mit ein-bischen-verkockeltem-Rand und einem dunklem Überzugslack angeboten werden, und das möglichst noch mit einem Motiv aus der alten, byzantinischen Zeit! Ein Widerspruch in sich. Genauso unpassend ist es auch, moderne Ikonen künstlich nachzualtern, da solche Motive ja an sich noch sehr jung sind. In all den aufgeführten Fällen paßt nun wirklich gar nichts mehr zusammen und ist kitschiger Stilbruch in Reinkultur.

Aber Sie machen doch auch “alte Ikonen”?
Ja, ich stelle teilweise (und auf Wunsch) auch Ikonen her, die den Eindruck von Alter erzeugen, weil es manchmal wirklich schön aussehen kann und die historische Ausstrahlung verstärkt. Dazu benutze ich jedoch wirklich alte, und auf natürliche Weise verwitterte Hölzer. Selbstverständlich ist jede von mir gemalte Ikone handgemalt auf Holz und von daher genau wie das Original gearbeitet. Meine Vorlagen stammen aus der byzantinischen und nachbyzantinischen Zeit. Zusammen genommen entsteht bei mir eine reproduzierte Ikone seiner Zeit, in der der Malgrund (altes Holz, Kreidegrundierung), die Maltechnik (Eitempera mit Farbpigmenten, Polimentvergoldung), der Malstil (byzantinisch), die Herstellung (in reiner Handarbeit) und die Versiegelung (Ikonenlack oder Schellack-Lasur) authentisch zueinander passen.

Was sind nun, bitteschön, moderne Ikonen?
Moderne Ikonen sind Ikonen, die sich von der
alten Symbolik und Art der Abbildung der biblischen Thematik abgewendet haben (siehe linke Spalte oben, erste Christusabbildung). Teilweise sind neue Bibelthemen hinzugekommen. Oft gehen uralte, über Generationen vermittelte Symbole verloren. Auch die Malmittel unterscheiden sich: anstelle der schwieriger zu verarbeitenden Eitempera werden moderne Farben wie Latex, Öl oder Dispersionsfarben benutzt. Der Malgrund ist hier nicht mehr zwingend eine Holztafel mit Kreidegrund, sondern Leinwand oder sogar Papier.
Darüber hinaus versuchen sich Künstler in Interpretationen von biblischen Themen, was streng genommen keine Ikone mehr darstellt, weil hier der klerische Bezug völlig fehlt und es sich somit um freie Darstellungen privater Ansichten handelt.

Darf man denn überhaupt alte Ikonen so einfach nachmalen?
Man darf, denn das Nachmalen, bzw. reproduzieren war früher genau die Art und Weise, wie sich Ikonen überhaupt verbreiten konnten. Der Beruf des Ikonenmalers war ein ausführendes Gewerbe, das sich eng an die Vorlagen zu halten hatte. Die abzubildenden Textstellen der Bibel wurden von Bischöfen entwickelt und sicher auch auf christlichen Konzilen diskutiert, bevor sie als anerkannte Vorlagen den Ikonenmalern zur Umsetzung überlassen wurden. Nur so konnte sich über Jahrhunderte hindurch und über große geografische Grenzen hinweg (vom Mittelmeer bis zur russischen Tundra) eine einheitliche Wiedergabe des gemalten Evangeliums aufrecht erhalten. Eine große Leistung, wenn man sich vergegenwärtigt, dass die Kommunikation zwischen den verschiedenen christlichen Klöstern damals nur über das Reisen möglich war. Das Wissen über die richtigen Charakteristika eines jeden Heiligen erfolgte durch mündliche Überlieferung, sogenannte Malerhandbücher sind erst ab dem 18. Jh. bekannt.

Sind wirklich alle Ihre Ikonen von Hand gemalt?
Ja, und zwar von meiner Hand, genauer der linken und der rechten Hand - und zwar vollständig.
Es gibt in der “Branche” leider sehr viele Anbieter, die den Begriff “von Hand gemalt” sehr weit ausdehnen und so darüber hinweg täuschen wollen, dass es sich bei diesen Angeboten um Nachdrucke von irgendwann einmal von Hand gemalten Ikonen handelt. Oder diese Drucke werden mit ein paar von Hand darauf gezeichneten Lichtern u.ä. versehen, lackiert und anschließend als Handarbeit vermarktet.
Handarbeit hat ihren Preis, und sicher ist: Eine kleine Ikone der Größe 20x26 cm mit einer reich geschmückten Szene wie die Geburt Christi oder die Himmelfahrt kann unmöglich für ca. 40 Euro von Hand gemalt worden sein, auch wenn auf der Rückseite ein aufgeklebtes Siegel eines angesehenen Klosters genau dies glauben lassen möchte. Ich bitte Sie augenzwinkernd, in solchen Fällen doch mal den gesunden Menschenverstand walten zu lassen.

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