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Ikonentafeln - grosse Tafeln

Der Bestandteil einer tragbaren Ikone ist die Holztafel, auf der sie gemalt wurde. Abgesehen von der Holzgewinnung und dem Zeitpunkt des Holzschnittes (Mondphasen, Jahreszeit) ist es wichtig zu beachten, unter welchen klimatischen Bedingungen anschließend das Holz gelagert wurde (draussen oder drinnen) und wie lange es trocknete, bevor es in den Handel kam, um vom Tischler als rohes Brett gekauft zu werden. Bei der Weiterverarbeitung der Holztafel kommt es besonders auf das Wissen und die Sorgfalt des Tischlers an. In der Regel gibt es bei kleineren Tafeln bis ca. 20x30 cm Größe keine Probleme. Wenn bei der Verleimung auf die Wuchsrichtung der Jahresringe geachtet wurde, können sich die Bretter zwar verwerfen, sodass die eine Seite sich wölbt und die andere Brettseite sich biegt, aber das macht die Ikone meines Erachtens nur persönlicher. In solche einem Fall reflektiert der vergoldete Hintergrund besonders ausdruckvoll und haucht der Ikone ihren ganz persönlichen Zauber ein.

 

Besonders große Tafeln

Bei größeren Ikonen (Tafeln über 30 cm Seitenlänge) wird zu Zwecken der Stabilität und um der Verwerfung der Fläche Einhalt zu gebieten mit Querverstrebung gearbeitet. Doch auch hier “arbeitet” das Holz. Die Querverstrebungen halten diese Kräfte innerhalb des Holzes jedoch unter Kontrolle. Je größer die Tafel ist, umso größer ist aber die Möglichkeit, dass sich trotzdem feine Haarrisse bilden können. Wie kann es dazu kommen? Zum einen unterliegt die Tafel verschiedenen Witterungsbedingungen, die sich zudem auch noch schnell verändern können. Alte antike Ikonen hingen ursprünglich in unbeheizten Kirchen und Klöstern. Auf diese Weise hatten sie die nötige Zeit, sich von Wärme und Trockenheit im Sommer, auf winterliche Kälte und Feuchtigkeit umzustellen. Trotzdem gibt es kaum eine großformatige antike Ikone, die keine Risse aufweist.
Heute verändert sich das die Ikone umgebene Klima durch die moderne Beheizung der Räume noch viel schneller und dramatischer. Das kann bei besonders großen Ikonen zu so hohen Spannungen innerhalb der Holztafel führen, dass es zu feinen Rissbildungen kommen kann.

Sicher vermeiden lassen sich feine Haarrisse, Risse und Verwerfungen auf großen Ikonen (Tafeln über 60 cm Seitenlänge) nur durch die Verwendung von technischen Holzplatten wie Furnierpatten oder Stäbchenplatten. Ich nenne diese Tafeln “technisches Holz”, weil sie neben dem Bestandteil Holz auch unter der Verwendung von sehr viel Leim hergestellt werden, dessen Haltbarkeit sich in Ermangelung von Erfahrungswerten, die auf Zeit basieren, noch nicht erwiesen hat. Bei einer frei hängenden Ikone würde ich immer zu Vollholztafeln raten, trotz Rissgefahr. Sie sind lebendiger und authentischer als das technische Holz. Soll eine großformatige Ikone allerdings in eine Altarwand eingebaut werden, kann man die Verwendung von Holzplatten überlegen, da hier sowieso nur die Oberfläche sichtbar ist und die Seiten sich möglichst fugenlos in den Rahmen einpassen sollen.

Für einen Ikonenmaler gibt es also einige Faktoren, die auf die Holztafel Einfluss nehmen, die er aber aus oben genannten Gründen nicht immer vollständig kontrollieren kann. Natürlich tue ich alles Erdenkliche und in meiner Macht stehende, um Verwerfungen und feine Haarrisse zu vermeiden, doch ausschließen kann ich dies bei besonders großen, auf Vollholz gemalten Ikonen, ehrlich gesagt, nicht. Diese Erscheinungen gehören wohl ebenso zu einer Ikone wie ihr goldener Hintergrund, die Heiligenscheine und die für eine Ikone so unerlässliche Beschriftung und sind daher, solange die Malerei nicht darunter leidet, nicht als Qualitätsverlust zu bewerten.

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