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Mineralische und pflanzliche Farbpigmente der Ikonenmalerei

Ausgehend von der 4-Farben-Theorie, mit der sich die schönsten Farbharmonien erzeugen lassen, verringert sich die Gefahr der unerwünschten Farbveränderungen durch UV-Strahlung und chemische Wechselwirkungen mit anderen Materialien um ein vielfaches. Diese vier Farben (rot, ocker, Cinnabarit und Lakka) plus schwarz und weiß (als Aufhellung bzw. Abtönung) haben sich im Verlauf ihrer Vergangenheit auf ihre Farbbeständigkeit bewiesen.

001 ZinnoberCinnabarit - oder auch Bergzinnober genannt, wurde aus dem Harz des Drachenblutbaumes  gewonnen und daher auch Drachenblut genannt. Aufgrund seiner wunderbaren Leuchtkraft eine treffende Bezeichnung. Ein wenig seltsam nur, dass Drachen in der Byzantinischen Malerei das Böse, den Teufel symbolisieren, und Zinnober gern für die königlichen Gewänder verwand wurde - getragen also von vorbildlichen Heiligen, der Seele fern des Teufels. Aber vielleicht zeigt sich hier die weise Erkenntnis, dass sich stets ein Körnchen vom Gegenteil in all jedem befindet?

Natürlich gewonnenes Zinnober ist nicht lichtecht, d.h. bei hoher UV-Strahlung kann es sich schwarzbraun verfärben. Vielleicht wurde aus diesem Grund bereits 800 n. Chr. synthetisches Zinnober aus Quecksilber und Schwefel hergestellt. Abgesehen von Verunreinigungen des natürlichen Bergzinnobers von anderen Mineralien und Elementen, ist es mit dem synthetischen Zinnober identisch. Eine noch höhere Qualität, doch zur selben Farbfamilie gehörig, ist das Vermillion.

001 Eisenoxid rotRot - Eisenoxidrot. Ursprünglich Roteisenerz aus Gesteinen, auch aus dem Mittelmeerraum. Persischrot ist dunkel, etwas blaustichig und kommt daher meinem verwendeten Rot (griechisch: σκούρο χοντροκόκινο) sehr nahe. Ich verwende nur diesen einen Rotton, obwohl es unendlich viele Varianten von Eisenoxidrot gibt, da ich mit diesem einen Rot (plus Ocker, Weiß oder Schwarz) alle gewünschten Farbnuancen erzeugen kann und die Farbharmonie nicht gestört wird.

001 OckerOcker - gelber Ocker, von natürlichen Gelbeisenerzen. Es gibt verschiedene Ockerfarben, die jedoch nicht alle für die Ikonenmalerei gleich gut geeignet sind. Schönfarbige Ockerpigmente sind meist nicht sehr gut deckend (Ausnahme Goldocker) und müssen daher in mehreren Schichten aufgetragen werden. In Verbindung mit Schwarz ergibt sich ein Grünton, der unter Zuhilfenahme von Weiß noch variiert werden kann. Kein Ocker gleicht einander, so er aus einer anderen Lieferung stammt, doch reicht die Besinnung auf einen Ocker, um die schönsten Ikonen malen zu können.

001 KrapplackLakka - lake, oder zu deutsch, Krapplack, ist das wärmste Rot, was das menschliche Auge wahrnehmen kann. Es befindet sich gleich neben dem Infrarotbereich. In der Antike Rubia genannt, im Mittelalter als Färberröte in der Malerei verwendet. Heute künstlich als Alzarin-Krapplack hergestellt, ist er haltbarer, da dem Farbstoff unstabile Bestandteile entzogen wurden. Lakka ist nicht deckend, und wird hauptsächlich als Lasur über dunkelroter Kleidung der Mutter Gottes und Christi verwendet.

001 WeissWeiß - Titanweiß. Ein in der Malerei allgemein gern verwendetes Pigment, da es eine hohe Deckkraft besitzt und sehr intensiv ist. Nicht so stark deckend ist das Zinkweiß, und in der griechischen Ikonenmalerei wenig benutzt, da die Farbanrührung zu dick wird. Nach allgemeiner Meinung ist Titanweiß das stabilste Weiß, dass der Malerei zur Verfügung steht.

001 Eisenoxid schwarzSchwarz - Eisenoxidschwarz (ursprünglich fein gemahlenes Magnetit), erhältlich in neutral, blau.- und braunstichig, welches jedoch erst bei der Vermischung mit Weiß deutlich wird. Das Mineral hat einen sehr hohen Einschluss von Eisen und wird von Bienen und einigen Vögeln zur Orientierung (Magnetfeld der Erde) wahrgenommen. Wird heute künstlich hergestellt und hat daher stabilere Eigenschaften. Eisenoxidschwarz geht eine sehr gelungene Verbindung mit Weiß ein und erzeugt mit selbigen zusammen einen schönen Blauton.
Rauch - ebenfalls schwarz, ist aus natürlichem Ruß hergestellt. Es ist viel leichter als schwarze Pigmente und läßt sich gut zum Abtönen vom Krapplack verwenden.

 

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