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Die einzelnen Schritte und Arbeitsmittel für eine Polimentvergoldung:

Blattgold und Vergoldermesser
Vergoldermesser aus Aluminium, Vergolderkissen aus Leder und ein Schnitt auf dem Blattgold. Das Messer muss absolut gratfrei sein und scharf, aber nicht zu scharf, da es sonst das Lederkissen zerschneidet.
Vergolderflüssigkeit
Anschussflüssigkeit aus Alkohol. Ich benutze traditionellen kretischen Tsikourdja (Tresterschnaps aus Trauben) aus erstem Brand. Den gibt es nicht zu kaufen, dafür braucht es Beziehungen. Dazu ein weicher Pinsel, nur für diesen Zweck.
Vergolderwerkzeuge: Anschusspinsel und Achatpolierstab
Breiter Anschusspinsel und Achatstein mit Holzgriff. Darunter sieht man einen Streifen polierten Bolos (rotbraun) und links aufrecht, eine bereits vergoldete Stelle, die aber noch nicht poliert wurde.
Grundierung für die Vergoldung
Auftrag des Bolos. Hier die erste Schicht, ein Teil der Fläche ist noch nicht bestrichen (rechts). Die Figur wird ausgespart.
Verschiedene Phasen der Polimentvergoldung
Das Blattgold wird schrittweise aufgelegt, wobei sich die Ränder leicht überschneiden.
Arbeitsschritt zur Polimentvergoldung
rechts unten: gerade aufgelegtes Blattgold. rechts oben: bereits poliertes Blattgold. Die Oberfläche reflektiert die Fotografin mit ihrer Kamera.
vergoldete Oberfläche
Fertig polierte Arbeit. Die Ränder sind gereinigt, und nun kann mit der Malerei begonnen werden.


Vergoldung einer Ikone

Ein kleines Vorwort in sehr eigener Sache...
...sei hier erlaubt. Die meisten byzantinischen Ikonen wurden mit einem Hintergrund aus Gold versehen. Dies symbolisiert die Anwesenheit Gottes, reines Licht. Allein die Herstellung des Blattgoldes ist eine Geschichte für sich, und der Beruf des Blattschlägers ein ganz besonders schöner Handwerksberuf. Es würde hier zu weit führen, genauer darauf einzugehen, nur, und das ist mir ein Bedürfnis hier einmal auszusprechen: Es ist eine bodenlose Mißachtung und Frechheit, das kostbare und sehr seltene Edelmetall Gold, auf Currywürste und anderes mehr, als Hippe Deco aufzulegen und es auf diese Weise zu vernichten. Mienenarbeiter haben ihren Schweiß (und manchmal auch ihr Leben) für die Zutageförderung des Goldes geopfert, von ihrem geringen Lohn ganz zu schweigen. Blattschläger haben das edle Metall in Dutzenden von mühseligen Arbeitsschritten zu hauchdünnen Folien, dem sogenannten Blattgold, getrieben - und da kommen welche her und meinen, dieses kostbare Produkt uralter Handwerkskunst auf eine Currywurst legen zu müssen?
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Doch zum Thema, der Vergoldung einer Ikone
Heutzutage werden die meisten Ikonen, unter mit Hilfe einer Presse maschinell vergoldet. Nur wenige Ikonenmaler verstehen es noch, eine Ikone von Hand zu vergolden. Von diesen wenigen verwenden die meisten wiederum die Mixeon-Technik. Hierbei wird auf Papier gedampftes Gold verwendet, welches auf die mit einem Klebemittel bestrichene Oberfläche der Ikone aufgelegt und vorsichtig angerieben wird. Das Ergebnis ist eine matte Oberfläche, die Haltbarkeit nicht besonders lang, da das Gold sehr anfällig für Beschädigungen wie Kratzer oder ähnliches ist, welche hinterher nicht ausgebessert werden können. Trotzdem findet diese Technik reichlich Verwendung, denn sie ist einfach und das Ergebnis anschaulich.
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Die hohe Schule der Vergoldungstechnik ist die Polimentvergoldung. Hier kommt es auf viel Erfahrung an, die man sich mühselig selbst erarbeiten muss. Gleichzeitig erfährt man dabei die Lehre der Hingabe und lernt, Mißerfolge hinzunehmen, neuen Mut zu schöpfen trotz wiederholten Verzweifelns und wieder neuer Anfänge. Viele geben da auf und vergolden gezwungenermaßen mit der viel leichteren Mixeon-Technik, nicht ohne zu behaupten, ihnen gefiele der Glanz der Polimentvergoldung sowieso nicht und das matte Gold sei viel schöner. Rechtfertigungen für Unfähigkeiten! Die uralte Technik des Poliment-Vergoldens ist uns aus Ägypten überliefert und heute noch unverändert anwendbar, wenn man denn die Geduld und Hingabe entwickelt hat, sich der Sache zu stellen und sie in Demut zu erlernen.
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Ich beschreibe dies so ausführlich, da ich es natürlich am eigenen Leibe erlebt und durchlitten habe, und ja... nun etwas stolz bin, Ihnen Poliment vergoldete Ikonen anbieten zu können, da ich mich bemühe, reproduzierte Ikonen so originalgetreu wie möglich nachzuarbeiten.
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Die Technik der Polimentvergoldung ist mit wenigen Worten beschrieben und sicher kein Geheimnis: Man mische eine feine Tongrundierung (Bolos) mit etwas Eiweiß (altes!) zu einer streichfähigen Masse und trage diese auf die zu vergoldenden Stellen auf, um sie anschließend mit einem Achat zu polieren, bis alles hübsch glänzt. Am folgenden Tag halte man seinen Arbeitsplatz recht staubfrei, und bestreiche  die zu vergoldenen Stellen mit verdünnten Alkohol (darin etwas Leim), um sofort mit einem Anschußpinsel das Blattgold aufzulegen. Dann warte man, nicht zu lang, nicht zu kurz, und im Sommer anders als im Winter, bis man mit einem eigens dafür zu nutzenden Achatstein wiederum zu polieren beginnt, bis alles noch mehr glänzt. Fertig. Nach ein paar Tagen ist die vergoldete Oberfläche ausgehärtet und erscheint wie massives Gold - wenn es denn gelungen ist. Wenn nicht, gelingt es eben beim nächsten Mal... nicht aufgeben! Das Ergebnis wird sich lohnen.

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Eine besondere Art der Bearbeitung der Vergoldung stellt das Punzieren dar. Eine kurze Einführung als Video können Sie hier ansehen

 

 

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