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Christus und ... bitte wer? Mohammed!

Christus und Mohammed

 

Meine Abschrift aus einer Buchbebilderung aus Tabriz, Iran im Jahre 1307/08.

 

Heute befindet sich das betreffende Buch in der Edinburgh Universitätsbücherei.

al-Birum
al-Athar
al-Baqiyya ‘an
al-Qurum
al-Khaliyya


Wie alles begann,
lesen Sie hier ...

Was für eine Entdeckung! Zwei Weltreligionen vereint auf einer ikonenartigen Abbildung in Form einer Buchmalerei. Dieses Motiv ist es wert, durch eine Abschrift wieder “in die Welt getragen” zu werden, denn wie vielen Menschen wird diese kleine Abbildung beim Besuch der Universitätsbücherei in Edinburgh, wo sie sich befindet, schon aufgefallen sein?!

Erstaunlich ist diese Abbildung, ich möchte sie gern “Ikone im weitläufigerem Sinne” nennen, in zweierlei Hinsicht: Erstens ist der Islam ja nicht bekannt dafür, seinen Propheten bildlich abzubilden, und zweitens ist diese freundliche, ja fast kameradschaftliche Nebeneinanderstellung von den Begründern zweier monotheistischen Religionen alles andere als selbstverständlich und kann natürlich auch kontrovers gesehen werden. Und doch hat Anfang des 14. Jahrhunderts ein unbekannter Maler diese Abbildung vermutlich in einem islamischen Land geschaffen. Hier sehen wir Christus sowie Mohammed in gleichwertiger Weise dargestellt: beide wurde sogar mit einem Heiligenschein versehen. Mir gefällt diese Abbildung, gerade weil sie auf den friedvollen Aspekt des Nebeneinander zweier Weltreligionen schaut, in einer Zeit (Anfang 14. Jhd.), wo sich Islam und Christentum auf Leben und Tod bekämpft haben sollen.

Doch wer ist nun wer? Rein äußerlich sind beide Figuren mit ihren Kopftüchern als Wüstenreisende dargestellt, denn wer durch die bisweilen sehr stürmische Wüste reitet, kann auf dieses Utensil nicht verzichten. Der Reiter im Vordergrund reitet ein Kamel, der links neben ihm Reitende einen Esel. Das sollte für die geübtesten Bibelleser unter uns vielleicht schon genug sein - ich musste dennoch tiefer forschen und wurde auf die Prophet Jesaja-Erzählung 21,7 aufmerksam. Dort ist zu lesen:

“Er sieht aber Reiter reiten auf Rossen,
Eseln und Kamelen und hat mit großem Fleiß Achtung darauf.”

Demnach wäre der Kamelreiter Mohammed und der den Esel Reitende Jesus-Christus.

Eine Anmerkung über meine Abschrift und Arbeit:

Im 21. Jahrhundert siedeln sich hier bei uns in Europa, in den christlich geprägten Ländern, derzeit immer mehr Menschen muslimischen Glaubens an. Jeder Christ und jede Christin muss sich dieser Tatsache stellen und eine Haltung finden, die sich mit dem eigenen Glauben vereinbaren lässt.
Daher versuche ich, die Herausforderung zwischen der Begegnung zum Menschen an sich sowie die Differenzen im Glauben anzunehmen und dabei doch meinem christlichen Glauben treu zu bleiben. Harte Konflikte zu anderen Religionen versuche ich zu vermeiden, indem ich in erster Linie auf das Gemeinsame zwischen mir und den Andersgläubigen schaue. Von Christus empfange ich die Kraft, im Gegenüber den Menschen an sich zu erkennen und auf das Gemeinsame aufzubauen. Mein Leben nutze ich, mich dem Herrn nähern zu dürfen und darüber zu berichten.

Jesus spielt im Islam zwar eine tragende Rolle, allerdings leider nur als Prophet. Dies ist für Christen sicher nur schwer auszuhalten, da ihre ganze Liebe auf den Gottessohn Jesus Christus in Form der Dreifaltigkeit ausgerichtet ist. Meine persönliche Einstellung zu anderen Religionen ist, dass weder Streit, intellektuelle Rechthaberei noch Kampf entscheiden sollten, wer den Kosmos und die Welt mit allem, was auf ihr existiert geschaffen hat. Vielmehr dürfte die Ausprägung der Liebe in unseren Herzen und unser Handeln in Liebe der Gradmesser für das spirituell-geistige Erwachen sein. In diesem Bestreben fühle ich mich in Gottes Nähe und vertraue auf seine Lenkung.

 

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